Tierschutzunterricht muss in die Lehrpläne!

Nuernberger Tierheim Dagmar WoehrlSommerzeit ist Ferien- und Reisezeit. Hochsaison nicht nur für Sonne, Strand und Meer, sondern leider auch für Tierheime.

Jedes Jahr werden viele Tiere kurzfristig im Tierheim abgegeben, weil die Besitzer in den Urlaub fahren und sich nicht um eine Unterkunft für ihr Haustier gekümmert haben. Diese Tiere kommen ins Tierheim – meist als sogenannte Fundtiere, weil sich ihre Halter noch nicht mal die Mühe machen, ihre Tiere persönlich abzugeben und sie einfach unterwegs aussetzen.  

 

Auch in unserem Nürnberger Tierheim, in dem ich mich seit vielen Jahren engagiere, erlebe ich leider viel zu oft, dass Tiere abgegeben werden, weil sich die Besitzer vorher nicht ausreichend informiert haben. Das betrifft sowohl eine artgerechte Haltung und Fürsorge, als auch die mit einem Haustier verbundenen Kosten für Nahrung, Ausstattung und medizinische Versorgung. Immer mehr Reptilien landen im Tierheim. Über Reptilienbörsen im Internet kann man die Tiere zwar kostengünstig anschaffen, die Kosten eines artgerechten Terrariums samt Beleuchtung, wird jedoch unterschätzt. Viele machen sich darüber im Vorfeld keine Gedanken und geben ihre Schildkröten oder Leguane dann im Tierheim ab.

Aufklärung ist daher enorm wichtig. Eine artgerechte Tierhaltung und ein hohes Tierschutzniveau sind für mich wichtige Themen, die auch bildungspolitisch stärker berücksichtigt werden müssen. Daher muss dieser Themenbereich auf die Agenda der Kultusministerkonferenz gesetzt werden.

Der Tierschutz spielt seit vielen Jahren in meiner politischen Arbeit eine wichtige Rolle. So gibt es beispielsweise seit dieser Legislaturperiode im Parlament eine Gruppe von Abgeordneten, zu der ich gehöre, die sich parteiübergreifend um das Thema Heimtiere kümmert und hierzu Initiativen entwickelt.

Ich habe mich persönlich dafür stark gemacht, dass der Tierschutz 2002 im Grundgesetz verankert wurde. Aber auch die besten Tierschutzparagrafen bleiben wirkungslos, wenn es uns nicht gelingt, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem wir mehr Wert auf den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen legen. Gerade Kindern, deren Herzenswunsch oftmals ein eigenes Haustier ist und die die Tierbesitzer von morgen sind, müssen wir frühzeitig Respekt vor der Kreatur vermitteln und ihnen klar machen: Tiere sind kein Spielzeug. Wer ein Haustier hält, übernimmt Verantwortung für ein Lebewesen, um das man sich beständig und liebevoll kümmern muss. Dennoch müssen sich die Eltern darüber im Klaren sein, dass die grundsätzliche und letztendliche Verantwortung für das Haustier bei ihnen liegt. Eltern sind genauso gefragt wie die Schule.

Tierschutzunterricht leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Kinder für die Verantwortung zu sensibilisieren, die mit der Anschaffung von Hund, Katze oder einem kleinen Heimtier verbunden ist. Es geht darum zu vermitteln, was es tatsächlich bedeutet ein Haustier zu haben, welche Pflichten die Haltung mit sich bringt, dass neben spielen und kuscheln zum Beispiel auch Käfig reinigen oder regelmäßiges Gassi gehen bei Wind und Wetter dazugehören. Tierschutzunterricht dient der Persönlichkeitsbildung: Kinder lernen Ungerechtigkeiten zu erkennen und für Schwächere einzutreten – im Hinblick auf Mensch und Tier. Der richtige Umgang mit Tieren und deren Bedürfnissen für ein artgerechtes Leben können im Tierschutzunterricht fachkundig und altersgerecht vermittelt werden.

Viele Kinder und Jugendliche haben heute leider keinen natürlichen Bezug mehr zu Tieren. Auch wenn nicht alle Stadtkinder denken, Kühe seien lila, so kommen dennoch viele Kinder erst beim Schulausflug ins Tierheim oder auf den Bauernhof zum ersten Mal in direkten Kontakt mit einem Hund, einer Katze oder einer Kuh. Erst dadurch können etwaige Berührungsängste abgebaut werden.

Tierschutzunterricht muss in Form und Inhalt auf Alter und Bedarf der Schüler abgestimmt werden. In der Grundschule sollen Kinder durch Gespräche, Rollenspiele, Geschichten und andere kindgerechte Informationen einfühlsam mit verschiedenen Tierschutzthemen vertraut gemacht werden. Ab der Sekundarstufe I erhält die sachliche Information mit zunehmenden Alter der Kinder größere Bedeutung. Das Überdenken des eigenen Handelns soll angeregt werden. In höheren Klassenstufen könnten die komplexen Zusammenhänge zwischen Tierschutz, Umwelt- und Verbraucherschutz vermittelt werden. Es gibt eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten für den Tierschutzunterricht. Er wäre in den Sachkunde- oder Ethikunterricht integrierbar. Man könnte Projekttage und Projektwochen zum Thema Tierschutz initiieren oder Tierschutz-AGs anbieten. In einigen Schulen bringen Lehrer ihre „Schulhunde“ mit zum Unterricht. So lernen Schüler automatisch Verantwortung, Rücksichtnahme und was es bedeutet, sich um ein Tier zu kümmern und wieviel Liebe ein Tier braucht und geben kann. Auch ein Besuch im Tierheim macht den Tierschutz für die Kinder praktisch erlebbar.

Das Nürnberger Tierheim bietet beispielsweise verschiedene Angebote für Kindergärten und Grundschulen zum richtigen Umgang mit Hunden an. Für viele Schüler ist allein die Anwesenheit eines Hundes ein Highlight. Zudem gibt es Praktikumsplätze oder Schnuppertage für Schüler und Führungen für Schulklassen aller Altersstufen. Nicht selten kommt es vor, dass Kinder – aber auch Erwachsene – sich spontan in ein Tier verlieben und es am liebsten gleich mitnehmen wollen. Aber ein Tier ist kein Impulskauf. Bei jeder Vermittlung gilt es, das Tier und seine Bedürfnisse erst einmal kennen zu lernen. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass sich jeder Halter im Vorfeld genau darüber informiert, welche Bedürfnisse sein künftiges Haustier hat und welche Anforderungen es an seine Haltung stellt.
Auch wenn Tierschutz eine Herzensangelegenheit ist: Die Entscheidung für ein Tier kann man nicht nur mit dem Herz treffen, sie muss wohl überlegt sein. Tierschutzunterricht ist hier ein wichtiger Baustein – dafür setze ich mich ein.

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