Deutscher ESC-Vorentscheid – Dieser Weg wird kein leichter sein …

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Die Nachricht, dass Xavier Naidoo Deutschland beim ESC 2016 in Stockholm vertreten soll, hat für viel Wirbel gesorgt – ebenso wie die Nachricht, dass der NDR die Nominierung des Sängers zurückgezogen hat. Vor allem in den sozialen Netzwerken haben sich zahlreiche Kritiker gegen den Auftritt Naidoos ausgesprochen, aber auch viele Fans und prominente Unterstützer haben sich für den Sänger stark gemacht. In der aufgeheizten Diskussion um den Grand-Prix-Kandidaten gibt es zwei Streitpunkte: seine Nominierung durch den NDR ohne Publikumsentscheidung und die Wahl des Sängers selbst.  

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Künstler ohne Vorentscheid nominiert wird. Nachdem Lena Mayer-Landrut den ESC in Oslo 2010 mit „Satellite“ gewonnen hatte stand schnell fest, dass die Gewinnerin auch 2011 wieder für uns ins Rennen gehen soll. Anstatt einer Vorentscheidungsshow konnte das Publikum bei „Unser Song für Deutschland“ 2011 erstmals nur über das Lied abstimmen, mit dem die Titelverteidigerin in Düsseldorf antreten sollte. Ihr Auftritt war gesetzt. Ähnlich wie damals sollten die Zuschauer nun am 18. Februar in der ARD Show „Unser Song für Xavier“ den ESC Song für Stockholm wählen.

Grund für die Nominierung von Künstlern ohne Vorentscheidungs-Show ist wohl der Wunsch einen erfolgreichen Künstler in den Wettbewerb zu schicken. Seit sich Ralph Siegel und Stefan Raab aus dem ESC zurückgezogen haben, bleiben die deutschen Erfolge aus. Im letzten Jahr holte Ann Sophie 0 Punkte für Deutschland und belegte den letzten Platz. Seit dem ersten Eurovision Song Contest 1956, gab es nur eine einzige Finalrunde ohne deutschen Beitrag 1996, da der Kandidat bereits in der Qualifikationsrunde ausschied.

Seit 1997 hat Deutschland als einer der größten EBU Beitragszahler neben Frankreich, Großbritannien und Spanien einen Platz im Finale garantiert. ( Die European Broadcasting Union ist ein Zusammenschluss von derzeit 73 Rundfunkanstalten aus 
56 Ländern in Europa, Nordafrika und Vorderasien. Der ESC ist die bekannteste Produktion der EBU.)
Wie wir im letzten Jahr gesehen haben, bedeutet das jedoch nicht automatisch einen erfolgreichen Wettbewerb.

In diesem Jahr muss also ein Erfolgsgarant her. Viele national erfolgreiche Künstler fürchten jedoch die Blamage eines frühzeitigen Ausscheidens im Vorentscheid, wie es Unheilig vor zwei Jahren erlebte. Die Entscheidung der Nominierung ohne Vorentscheid erleichtert es den Organisatoren bekannte Künstler für den ESC zu gewinnen – bekannte Künstler wie Xavier Naidoo. Er ist Deutschlands Sänger mit den meisten Nummer-1-Hits, hat über fünf Millionen Platten verkauft und eine große Fangemeinde. Mit den Söhnen Mannheims und als erfolgreicher Solokünstler ist er nicht nur durch das Lied “Dieser Weg“, das zur Hymne der Fußball WM 2006 wurde, deutschlandweit bekannt geworden.

Der Sturm der Empörung nach seiner ECS Nominierung entzündet sich auch nicht an seinem musikalischen Können, sondern an Vorwürfen zu homophoben und rechtspopulistischen Äußerungen und Auftritten des Sängers. Schlagzeilen zu Verschwörungstheorien und Zweifeln an der Existenz der Bundesrepublik Deutschland machen Naidoo für viele zu einem nicht tragbaren Kandidaten.

Am Samstag hat der NDR die Nominierung Naidoos aufgrund der massiven öffentlichen Kritik zurückgezogen. Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungs-koordinator und Leiter des Programmbereichs Unterhaltung im NDR begründete die Entscheidung damit, dass die Diskussionen um den Auftritt Naidoos dem ESC schaden, bei dem die Musik und Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollte.

Wenn ich zurück denke, ist es nicht das erste Mal, dass über einen Grand-Prix-Kandidat gestritten wird. 1998 entbrannte eine mediale Diskussion um Guildo Horn. 2014 sorgte die polarisierende Travestiekünstlerin Conchita Wurst für Diskussionen. Die aktuelle Diskussion hat jedoch eine etwas andere Qualität.

Die öffentliche Nominierung solch streitbarer Kandidaten durch öffentlich-rechtliche Sender ist gründlich abzuwägen und gut zu durchdenken. Mit einer transparenteren Regelung der Kandidatenauswahl wäre die Diskussion gar nicht erst entstanden. 
Nun gibt es eine neue Chance einen Vorentscheid mit Publikumsabstimmung und geeigneten Künstlern zu organisieren.

Ob es Deutschland damit jedoch gelingt nach Nicole (1982) und Lena (2010) den ESC in 2016 wieder einmal zu gewinnen, bleibt fraglich – fest steht nur „dieser Weg wird kein leichter sein…“.<pre style=“text-align: right;“><em>Nachweis Bildquelle: Vote – photodune.net/item/vote/544298</em></pre>

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