Warum fördert der Bund den deutschen Film? Mit deutschem Steuergeld?!? Weil es sich lohnt! Eine Erklärung in vier Schritten

Magnifying Glass with Flipchart with Growth Chart Icon on Old Paper with Red Vertical Line Background.

Der Film als gesellschaftlicher Seismograph
Die letzten Wochen standen mit der 66. Berlinale und der Verleihung der 88. Academy Awards ganz im Zeichen des Films. Eng verbunden mit den Filmfestivals waren gesellschaftliche Diskussionen wie die Debatte um die Chancengleichheit beim Film im Rahmen der Oscar Nominierungen unter dem Hashtag #OscarsSoWhite oder das Thema Flucht und Asyl, bei der diesjährigen Berlinale und der Goldene Bär für den Dokumentarfilm Fuocoammare über das Leben auf Lampedusa und die dort ankommenden Flüchtlinge. 
All dies zeigt die gesellschaftliche Bedeutung des Films. Filme sind nicht nur ein Spiegel unserer Gesellschaft. Sie sind eine Art Seismograph gesellschaftspolitischer Stimmungen, können gesellschaftliche Veränderungen anstoßen, erzählen Geschichten, beschreiben Menschen und Kulturen und helfen uns Vorurteile abzubauen und Neues zu entdecken.

Filmförderung trotz Rekordjahr
Trotz der technischen Weiterentwicklung, veränderter Sehgewohnheiten und einer Verschiebung hin zu Online- und Streaming-Diensten war 2015 war ein erfolgreiches Filmjahr. Mit 139 Millionen Kinobesuchern, einem Rekordumsatz von 1,7 Milliarden Euro und einem deutschen Marktanteil von über 27 Prozent kann man von einem wahren Rekordjahr für das Kino sprechen. Trotzdem könnte kaum ein deutscher Film ohne Filmförderung produziert werden und in die Kinos kommen. Es bedarf weiterhin einer attraktiven Deutschen Filmförderung – vor allem auch mit Blick auf den internationalen Wettbewerb.

Unsere Deutsche Filmförderung setzt sich aus verschiedenen Säulen zusammen. Im Vergleich zu anderen Ländern, wo zwar Steuervorteile gewährt werden, es aber keine direkten Hilfen durch den Staat gibt, engagiert sich der Bund bei uns als verlässlicher Partner von der Entstehung bis zur Auswertung eines Films. Für die Filmförderung 2016 können wir ein erfreuliches Plus verzeichnen. 2016 stehen 25 Millionen Euro mehr als im Vorjahr für die Filmförderung durch den Bund zur Verfügung. Der Deutsche Filmförderfonds vergibt 50 Millionen Euro, für die kulturelle Filmförderung stehen 25 Millionen bereit, neuerdings gibt es zudem 10 Millionen aus dem German Motion Picture Fund des Wirtschaftsministeriums. Hinzu kommt die Förderung durch die Filmförderanstalt und Branchenmittel. Der Deutsche Filmförderfonds ist ein erfolgreiches Instrument, um die Attraktivität des Filmstandorts Deutschland und die heimische Filmproduktion zu stärken. Seit dem Start des DFFF 2007 bis Ende 2015 wurden Zuschüsse für 975 Filme und rund 540 Millionen Euro vergeben. Durch das produktionsstarke Jahr 2015 war das Förderbudget des DFFF in Höhe von 50 Millionen bereits im Oktober ausgeschöpft. Dank gemeinsamer Anstrengungen und einer Verpflichtungsermächtigung konnten trotz Überzeichnung des Fonds alle 2015 beantragten Projekte gefördert werden – insgesamt 107 Produktionen mit 62,7 Millionen Euro, inklusive der Nachbewilligungen.

Kulturelle- vs. wirtschaftliche Filmförderung
Diese Fördergelder haben Deutschland Folgeinvestitionen von rund 3,2 Milliarden Euro gebracht. Zum einen entstehen natürlich Arbeitsplätze und was der Staat als Zuschuss gibt, bekommt er in Umsatz und Steuern um ein Mehrfaches multipliziert zurück. Dies wirft ebenso wie die neue wirtschaftliche Filmförderung aus dem Wirtschaftsministerium mit dem German Motion Picture Fund die Frage auf, welche Art von Filmförderung wir betreiben wollen. Der Fördertopf des Wirtschaftsministeriums legt seinen Fokus auf die Wirtschafts-, Technik- und Innovationsförderung und zielt auf die Herstellung von international koproduzierten Kinofilmen sowie innovativen Serien mit hohem Herstellungsbudget und hohen Ausgaben in Deutschland.
Aber auch das Kreative und Künstlerische darf bei der wirtschaftlichen Filmförderung nicht zu kurz kommen. Wir dürfen den Film nicht nur als Wirtschaftsprodukt begreifen. 
Mit Filmen entstehen Kulturgüter. Sie spiegeln unsere Gesellschaft und Identität wieder, stellen politische und gesellschaftskritische Fragen und sind ein Teil unserer Kultur.

No Risk – no Fun
Ziel unserer Filmförderung muss es auch sein künstlerisch anspruchsvolle Filme aus Deutschland auf die Leinwand zu bringen. Damit die Verleiher den Kinobetreibern ein abwechslungsreiches Programm bieten können, bedarf es aber zunächst einmal guter Filme. Ein wichtiger Eckpfeiler für die Finanzierung von qualitativ hochwertigen Produktionen ist dabei die kulturelle Filmförderung. Um diese weiter zu stärken, haben wir den entsprechenden Titel im Haushalt 2016 erhöht und einen deutlichen Aufwuchs für die kulturelle Filmförderung erreicht. Zu den 13 Millionen für die kulturelle Filmförderung sind satte 15 Millionen Euro dazugekommen.
Oft lohnt es sich, nicht nur auf den Erfolg an der Kinokasse zu schielen, sondern auch neue Ideen und innovative Konzepte zu fördern, auch wenn solche Experimente natürlich ein vergleichsweise höheres Risiko bedeuten. Dieses Risiko gilt natürlich auch für die Filmförderung. Sie darf ebenso wie die Filmemacher das Risiko nicht scheuen, mutige Entscheidungen zu treffen und unkonventionelle Stoffe zu fördern, die nicht in das Korsett des Mainstream Publikumsgeschmacks passen. Im besten Fall sind künstlerischer Anspruch und wirtschaftlicher Erfolg dabei kein Widerspruch.

Die Grundregeln unserer Filmförderung leiten sich aus dem Filmfördergesetz ab, das in regelmäßigen Abständen neu geregelt wird. Die aktuelle Novelle soll dazu beitragen, die Rahmenbedingungen in unserer Film- und Kinolandschaft weiterhin so ausgestalten, dass qualitativ hochwertige und erfolgreiche deutsche Filme entstehen. Als Kinofan und Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien und Berichterstatterin für das Thema Film setze ich mich genau hierfür ein.

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